Fotoreportage

Eine Fotoreportage

Wer mit einer Fotoreportage scheitern will, versuche eine solche ohne Vorbereitung zu erstellen!

Umgekehrt formuliert lässt sich festhalten, dass einer Fotoreportage dann eine gute Basis gegeben ist, wenn diese auf einer guten Vorbereitung, einer sorgfältigen Durchführung und einer liebevollen Ausgestaltung beruht.
Es empfiehlt sich, eine Fotoreportage in folgenden Schritten zu erarbeiten:

  1. Recherche zum Thema
  2. Storyboard erstellen
  3. Location wählen / Ausrüstung zusammenstellen
  4. Aufnahmen machen
  5. Aufnahmen bearbeiten
  6. Präsentation erstellen

Recherche zum Thema durchführen

Je mehr der Fotograf über das Thema Bescheid weis, desto besser wird die Reportage ausfallen.

Das notwendige Wissen soll in jedem Fall vor dem Fotografieren erworben werden. Ein einfaches aber mitunter aufwändiges Mittel für den Aufbau von Wissen ist die Recherche. Dies kann im Internet, durch das Lesen von Büchern oder das Führen von Interviews geschehen.

Nachfolgend als Beispiel das zusammengefasste Ergebnis einer Recherche im Internet zum Thema ‚FlowerPower‘.

Was bedeutet der Begriff ‚FlowerPower‘?

Der Begriff ‚FlowerPower‘ bezeichnet eine Lebenskultur, die sich einem friedlichen, humanen und mit der Natur in Einklang stehendem Lebensstil verpflichtet fühlt. ‚Macht der Blumen‘ stellt sich Werten wie ‚Macht des Geldes‘, ‚Macht des Stärkeren‘ entgegen. Dahinter verbirgt sich auch die Idee und die Hoffnung, dass die Erkenntnis, dass sich Blumen, die Natur ganz allgemein, auf lange Zeit der Willkür des Menschen überlegen zeigen wird, durchsetzen wird und dass die Menschheit auf Basis dieser Einsicht ihre Lebensweise verändern wird. Dabei wird die Natur als gut und die Lebensart des (industriellen) Menschen als schlecht verstanden. 

Wesentliche Elemente des Begriffs ‚FlowerPower‘ sind demnach:

  • Natur (Blume)
  • Menschenwerk (Technik)
  • Macht des Menschen
  • Natur triumphiert über Technik
  • Gegensatz: Gut und Schlecht (Natur - Technik)
  • Gegensatz: Zart und brutal (Natur - Technik)

Auf der Basis der Recherche kann nun ein Storyboard (ein Drehbuch) erstellt werden.

Storyboard

Ein Storyboard (ein Drehbuch) besteht im Wesentlichen aus Notizen (Text) zum Ablauf einer späteren Präsentation der Reportage. Wie umfangreich ein Storyboard gestaltet wird, ist dem Geschmack des Fotografen überlassen. Wichtig ist, dass eines erstellt wird.

Bezogen auf das Thema ‚FlowerPower‘ könnte eine einfaches Storyboard wie folgt lauten:

„Ich zeige, wie sich die Macht- und Profitgier der aktuellen Gesellschaft präsentiert Dann zeige ich, wie daneben eine heile, schöne Welt existiert. Ich vermittle dem Betrachter, wie diese schöne Welt von der Realität der Wirklichkeit bedroht wird. Dann zeige ich, wie diese Bedrohung still und leise überwunden wird und wie sich die Schönheit von ‚FlowerPower‘ durchsetzt.“

Dieses Storyboard bildet die Basis für eine Liste mit Bildern, die ich aufnehmen will. Eine solche Liste könnte wie folgt aussehen:

  1. Schweres Baufahrzeug/Baukran
  2. Auspuff PW mit „Abgaswolke“
  3. Industriegebäude
  4. Löwenzahn
  5. Bachlauf
  6. Kirschenblüte
  7. Verkehrslawine (Einbezug Umwelt)
  8. Bauplatz (Einbezug Natur)
  9. Autobahnkreuz (Einbezug Natur)
  10. Pflanze die durch Asphalt bricht
  11. Zerfallenes, überwuchertes Gebäude
  12. Autofriedhof im Grünen

Location / Ausrüstung

Je nach Thema gilt es die passende Location zu wählen. Dabei kann es auch sein, dass an mehreren Orten fotografiert werden muss.

In unserem Beispiel (FlowerPower) werden die geforderten Bilder nicht alle am selben Ort und zu selben Zeit gemacht werden können. Die Fotografien müssen über mehrere Fotoausflüge zusammengetragen werden.

Ein Ähnliches gilt für die Ausrüstung. Diese hat sich den gewünschten Fotos anzupassen. So braucht es für das Fotografieren eines Auspuff PW mit „Abgaswolke“ eher ein Teleobjektiv, wogegen ein Autobahnkreuz eher mit einem Weitwinkelobjekt zielführend abgebildet werden kann.

Aufnahmen

Beim Aufnehmen der Bilder ist der gewünschten Bildaussage Rechnung zu tragen. Entsprechend sind dem Umgebungslicht, der Belichtung, dem Bildformat, dem Aufnahmestandpunkt und der Positionierung des Motivs (der Motive) Bedeutung zu schenken.

Beispielsweise wird eine Bedrohung besser wahrgenommen, wenn das bedrohende Element grösser, dunkler, in erhöhter Position aufgenommen wird als das bedrohte Element.
Auch die Farbe eines Motivs verstärkt die Bildaussage. So eignen sich für ‚FlowerPower‘ eher zarte Töne, für bedrohende Motive eher grelle, agressive Farben.

Bildbearbeitung

Gewünschte Bildaussagen können mittels Bildbearbeitung nachträglich zusätzlich verstärkt werden. Wesentliche Elemente dabei sind die Wahl des Bildformates, des Bildausschnitts, der Lichtsituation, des Bildkontrastes.
Natürlich dürfen im Rahmen der Bildbearbeitung sämtliche zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt werden.

Präsentation

Eine Reportage lässt sich am Besten in Form einer Bilderfolge präsentieren. Eine Slideshow eignet sich dazu hervorragend. Denkbar sind auch ein Fotobuch oder eine Ausstellung mit vorgegebener Laufrichtung.

Unabhängig der Form sind folgende Schritte typisch:

  1. Reihenfolge der Bilder
  2. Anzeigedauer
  3. Übergang zwischen den Bildern
  4. Präsentationsunterstützende Elemente (bsp. Texte, Musik).

Reihenfolge

Eine gelungene Präsentation folgt einem bewusst gewählten Aufbau. Dabei kann auf die klassische Gliederung einer Rede abgestützt werden.

So soll eine Präsentation mit einem Bild beginnen, welches geeignet ist, die Aufmerksamkeit zu fördern und das Thema in seiner Gesamtheit umfasst.
In der Folge sollen die Bilder den Betrachter zuerst eher „negativ“ stimmen um ihn danach in eine positive Stimmung zurück zu führen und ihn am Schluss glücklich zurück lassen.

Bezogen auf das Beispiel ‚FlowerPower‘ eignet sich ein Bild, welches die Schönheit der der Natur in Szene setzt. In der Folge eignen sich Bilder, die die Dominanz menschlichere Werke über die Natur darstellen. Die damit aufkommenden Gefühle beim Betrachter lassen sich (negativ) noch steigern, wenn ihm anschliessend Bilder besonders eindrücklicher, die Natur bedrohender Menschenwerke präsentiert werden. Hoffnung lässt sich beim Betrachter wieder aufbauen mit Bildern, die die Überlegenheit der Natur über die lebensbedrohenden Elemente darstellen und mit Bildern wunderschöner Natur kann der Betrachter in einer guten Stimmung zurückgelassen werden.

Exkurs: Wird eine Bergwanderung präsentiert, so könnte ein Gipfelfoto der gelungene Einstieg in die Präsentation sein. Gefolgt von Bildern, die den mühsamen Aufstieg dokumentieren (Bsp. hoher Berg, steiler Pfad etc.). Danach Bilder, die den gelungenen Aufstieg dokumentieren bis hin zur Ankunft auf dem Gipfel. Gekrönt wird die positive Stimmung durch fantastische Bilder von der Rundsicht und Portraitsaufnahmen strahlender Wanderer.

Anzeigedauer

Es ist nicht notwendig, alle Bilder gleichlang zu präsentieren. So kann Dramatik mit schnellen Bildfolgen gesteigert, Harmonie mit langsamen Bildfolgen betont werden.

Bezogen auf das Beispiel ‚FlowerPower‘ ist eine schnelle Bildfolge bei der Präsentation der Bedrohung und langsame Bildfolgen bei der Präsentation der Schönheit der Natur empfehlenswert.

Exkurs: Bei der Präsentation einer Wanderung können Bilder des Aufstiegs mit langsamer Bildfolge präsentiert werden. So wird die Anstrengung dokumentiert. Sollte ein Gletscherabbruch fotografisch eingefangen worden sein, so kann dieser mit schneller Bildfolge eingespielt werden. Wiederum langsam sollte der Genuss auf dem Gipfel präsentiert werden.

Werden die Bilder in Form eines Fotobuchs oder einer Ausstellung präsentiert, so kann anstelle der Anzeigedauer mit unterschiedlichen Bildgrössen und der Anordnung derselben ein ähnlicher Effekt erzielt werden. Viele kleine Bilder erzeugen Tempo, wenig grosse Bilder vermitteln Ruhe.

Übergang

Ein wichtiges Element sind die Bildübergänge. Diese sollten die Aussage der Präsentation stützen. So kann Schönheit mit langsamen, fliessenden Übergängen betont werden. Dramatik kann mit schnellen, harten Übergängen vermittelt werden. Geheimnisvolles kann mit speziellen Übergängen miteinander verbunden werden.

Unterstützende Mittel

Text kann hilfreich sein und den Betrachter im Verständnis der Präsentation unterstützen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Text als eigene Folie gestaltet oder direkt in die Bilder integriert wird.
Beim Einsatz von Text muss darauf geachtet werden, dass dieser nicht in Konkurrenz zu den Bildern tritt. Etwas überspitzt formuliert muss Sorge getragen werden, dass aus einer Fotopräsentation nicht ein mit Bildern illustriertes Lesebuch wird.

Mittels Audio (Musik, Sprache etc.) kann eine Präsentation zusätzlich aufgewertet werden.

Exkurs: Beim Einsatz von Musik sind die Urheberrechte zu beachten. Für private Präsentationen (Familie, enge Freunde) ist die Nutzung urheberrechtlich geschützter Musik erlaubt. Werden Präsentationen aber öffentlich zugänglich gemacht, so unterliegt die Verwendung von Musik den Rechtsbestimmungen des jeweiligen Landes. In der Schweiz können die entsprechenden Bestimmungen bei der SUISA eingesehen werden.

Tools

Auf dem Markt finden sich unzählige Tools für das Erstellen von Bildschirmpräsentationen. Diese stehen zum Teil kostenfrei oder als Kaufversion zur Verfügung. Namentlich die kostenpflichtigen Produkte unterstützen nicht nur beim Erstellen der Präsentation, sondern auch beim Publizieren des fertiggestellten Werkes. Dabei ist vielfach auch der einfache Zugang in soziale Netzwerke wir Youtube und Facebook unterstützt. Als (kostenpflichtiges) Referenzprodukt sei hier auf Magix Photostudio Deluxe verwiesen.

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